Warum Sie für Ihre Sache brennen sollten

article

Mentalität schlägt Qualität. So lautet eine simple Wahrheit im Spitzensport. Doch auch andere Top Leister zeichnen sich durch Hingabe für eine Sache aus. Leistungsexperte Prof. Dr. Karsten Schumann (DHfPG) erklärt, warum Sie im Sport, dem Beruf wie auch in der Karriere für Ihre Sache brennen sollten.

Wodurch zeichnen sich besonders mental geeignete Spieler oder Mitarbeiter aus?

Die Qualität der Spieler bildet die Basis der Leistungsfähigkeit der Spitzenvereine im Profifußball. Großes Können ist die Grundlage für Erfolg. Aber es bedarf auch einer gewissen Mentalität auf dem Platz als auch im Beruf. Es braucht diese innere Einstellung, unbedingt siegen und neben dem Platz den langjährigen sowie meist steinigen Weg eines Fußballprofis durchstehen zu wollen. Am Ende setzen sich immer Spieler mit einer Kombination aus fußballerischem Können und einer starken Mentalität durch. Diese Mentalität scheint mir, entscheidend für den Weg nach ganz oben zu sein. Fragen Sie die vielen Scouts, die im Fußball unterwegs sind! Tolle Fußballspieler haben diese Sichter schon zuhauf gesehen. Sie suchen aber vor allem nach Spielern mit erwähnter Mentalität, also nach den besonderen Spielern mit ausgeprägter und eigener Persönlichkeit – verbunden mit einer hochprofessionellen Einstellung. Im Fußball gilt die Redewendung: Mentalität schlägt Qualität. Und diese recht simple Wahrheit scheint auch in anderen Branchen, wie zum Beispiel in Gesundheits- und Fitnessbetrieben, eine gewisse Richtigkeit zu besitzen. Mit meiner langjährigen Erfahrung sowohl im Spitzenfußball als auch im Bankensektor möchte ich einen Aspekt in das Blickfeld aller Entscheidungsträger rücken: Top-Leister zeichnen sich durch Hingabe, einer besonders intensiven Ausprägung von Leidenschaft, aus. In drei Aspekten werde ich Ihnen diese wichtige Eigenschaft von Spitzenleuten nun beschreiben.

Intensive Zuwendung, Überzeugung und Berufung

Der erste Aspekt der Hingabe ist eine intensive Zuwendung zu einer Sache. Spitzenkräfte geben sich dieser einen Sache ganz hin. Großartige Fußballer fühlen und wissen, was das heißt – das Spiel zu spielen ist ihre Aufgabe. Dafür gilt es, alles in der Vorbereitung, bei jedem Training und in jedem Spiel zu tun. Jeder erfolgreiche Mensch hat von innen heraus ein Gefühl und erspürt: „Ja, diese Tätigkeit, genau das will ich, das soll ich, das ist meine Aufgabe.“ Wenn jemand dieses Gefühl hat, dann kann er oder sie eine solch intensive Zuwendung zu einer Tätigkeit entwickeln. Das fällt natürlich leichter, wenn man spürt, dass ein Sinn hinter der Aufgabe steht. Oder, wenn man eine Art Berufungserlebnis hat, bei dem man fühlt: „Das muss ich tun.“ Doch selbst wenn jemand ein solch großes Berufungserlebnis nicht hatte, kann man sich auch bewusst vornehmen, sich einer bestimmten Sache ganz bewusst hinzugeben. Das Verständnis, sich dieser Sache auch dienstbar zu machen, kann für die eigene Stärke sehr nützlich sein. Dabei meine ich nicht eine Hyperanpassung, sondern eine Reduktion der eigenen Persönlichkeit, um eine andere Sache zu befördern. Ich mache mich nicht klein, sondern für eine andere Sache groß.

Herzblut, Engagement und Optimismus

Zweitens bedeutet Hingabe auch, durch eine große innere Beteiligung und hingebungsvollen Eifer etwas zu erreichen. Einerseits wird die Zuneigung zu einer Aufgabe zur Herzenssache. Alle großen Fußballer – einige davon durfte ich schon persönlicher kennenlernen – sind Profis geworden, weil sie den Fußball über alles lieben. Andererseits ist eine Zielorientierung als Ansporn wichtig: „Das will ich erreichen und das will ich mit Pflichtbewusstsein und Disziplin tun. Unbedingt. Ich will alles, was ich habe, mein Herz, meinen Verstand, meinen Körper, mein Handeln hineingeben, um das Ziel zu erreichen.“ Menschen, die so ticken, lassen sich nicht beirren, wenn es mal schwierig und anstrengend wird. Sie sind auch bereit, durch Durststrecken zu gehen, um ans Ziel zu gelangen. Bleiben wir beim Fußball. Spieler, die eine solche Hingabe besitzen, sind insbesondere unter widrigen Bedingungen bereit, sich nicht beirren zu lassen und um die besten Ergebnisse zu kämpfen. Sehen Sie beim Lesen dieser Zeilen einen aktuellen Spieler vor sich? Ich sehe einen sehr klar und deutlich: Joshua Kimmich vom FC Bayern München.

Freude, Flow-Erlebnisse und Selbstverwirklichung

Der dritte Aspekt der Hingabe zu eine Sache ist die zu empfindende große Freude bei der Ausübung. In der Ausbildungskonzeption des Deutschen Fußball-Bundes e.V. wird der Freude am Fußballspielen eine wichtige Rolle eingeräumt. Aus meiner Erfahrung ist die Freude die Grundlage für ein Flow-Erlebnis, welches der Professor für Psychologie Mihály Csíkszentmihályi im Jahr 1975 beschrieben hat. Es beschreibt einen Zustand, in dem Fußballer in ihrer Aufgabe aufgehen, Raum und Zeit vergessen und sich nur noch um das Spielen kümmern. Warum soll das im Beruf nicht auch so sein? Ein solch positives, emotionales Erleben ist in allen Tätigkeitsbereichen anzustreben. Es ist zu hoffen, dass jeder Leser in seinem Aufgabenfeld öfter feststellen kann: Die Zeit vergeht wie im Flug. Und dass sie ganz auf ihr Tun konzentriert sind und darin aufgehen, sich dabei selbst vergessen und das Zeitgefühl weitgehend verlieren. In meiner heutigen Tätigkeit als Dozent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) versuche ich, meinen Studenten neben Fachwissen auch Lebenserfahrungen zu vermitteln. Eine der häufigsten Fragen meiner Studenten an mich lautet: „Was empfehlen Sie mir für meinen Weg?“ Meine Antwort ist eine Gegenfrage: „Ist die gegenwärtige Tätigkeit eine Sache, die Sie mit Herzen, Freude und Hingabe ausüben? Haben Sie in der Betätigung dieser Sache ein Flow-Erlebnis?“ Natürlich gibt es auch Momente der Unentschlossenheit. Nicht immer hat jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt etwas, an das er mit Hingabe herangeht. Wenn das über einen längeren Zeitraum geht, ist mein Rat: Suchen Sie sich eine Sache, für die Sie brennen, um glücklich und zufrieden zu sein. Gerade für die Sport-, Fitness- und Gesundheitsbranche brennen viele Mitarbeiter – schließlich können viele hier ihr Hobby zum Beruf machen und mit Herz und Hingabe sich selbst verwirklichen.

Über den Autor

Sportwissenschaftler Prof. Dr. Karsten Schumann (56) war von 2006 bis 2012 beim Deutschen Fußball-Bund und von 2012 bis 2016 beim FC Bayern München als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Seit 2017 ist er Dozent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement.

Dieser Artikel ist in der aktuellen Sonderausgabe KARRIERE IM SPORTBUSINESS des Stadionwelt INSIDE Magazins erschienen. Der kostenlose Download steht Ihnen hier zur Verfügung https://hubs.ly/H0hJwSy0

de article

Zurück zur Übersicht