Sportstadien als Symbol der kollektiven Identität

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Die UEFA Euro 2016 befindet sich in vollem Gange und durch die zehn verschiedenen genutzten Stadien in ganz Frankreich, konnte eine ganze Reihe von verschiedenen Identitäten durch unterschiedliche Displays und Designs im Stadion vorgestellt werden. Vor diesem Hintergrund werfen wir einen Blick auf diesen Artikel. Paul Hyett, von den HKS Architekten, schreibt im Auftrag unseres redaktionellen Partners Panstadia, über die Bedeutung der Gestaltung der Gastgebenden-Stadien. Denn diese Gestaltung soll nicht nur förderlich für das globale Sportereignis, sondern auch -  und was noch wichtiger ist - für die gastgebende Gemeinde sein; für ihre Umgebung.

Musik, Essen, Sprache, Dichtung, Literatur, Musik, Tanz, Kleidung und Möbel: das sind nur einige der wesentlichen Bestandteile, die eine Kultur definieren ... die einem Volk eine kollektive "Identität" verleihen - ein Gefühl der Zugehörigkeit und ein Gefühl für den Ort schaffen.

Architektur hat eine zentrale Rolle in diesem Prozess – einerseits formt und gestaltet sie den Raum, andererseits informiert sie über den Spielraum um die vielfältigen Möglichkeiten.

Die „traditionelle Identität“ wird allerdings zunehmend durch die Prozesse der Globalisierung in Frage gestellt. Moderne Medien- und Industrieprodukte beeinflussen ständig die Charakteristik von "Ort" und "Kulisse", die das "besondere" darstellen. Die modernen Massenproduktionen von Autos, Flugzeugen oder Hamburgern tragen alle auf bestimmte Art und Weise ihren Anteil zu einem Prozess der "kulturellen Vereinigung" bei – ebenso wie auch Hotels und „Denim-Jeans-Hosen“. „Hier“ als Konzept des Standortes, ist schon lange zu „überall“ geworden. 

Die Herausforderung

Als RIBA-Präsident wurde ich vor vielen Jahren zur Jahrestagung des Sri Lanka Institute of Architects, zur Konferenz "Traditionelle Identität im globalen Kontext“, eingeladen. Während dieser Konferenz wurde ich insbesondere mit dem kreieren des besonderen „dort“ vorbelastet. Entgegen diesem Bestreben, können Architekten in der Tat die Prozesse der Globalisierung in Frage stellen. Durch unsere Arbeit können Projekte mit einem Charakter durchtränken werden, der die "Architektur des Ortes“ ausdrückt - eine Architektur, die die wesentlichen Eigenschaften von der Umgebung aufgreift und das lokale Klima, die Topographie und Kultur sowie die lokalen Materialien nutzt und die ansässigen Handwerker mit einbezieht.

Einige Aspekte des "globalen" können natürlich nicht ignoriert werden. Die Architektur musste schon immer auf neue und expandierende programmatische Herausforderungen reagieren; darunter fallen große Gebäudetypologien wie Krankenhäuser und Stadien, die in einem sich neu entwickelnden Land wenige Vorbilder haben. Die Architektur muss auch sich auf neue Richtlinien einstellen, wie nachhaltiges Design, muss dabei jedoch zeitgemäß und an die Umgebung angepasst und bleiben. Nichts kann unangemessener und - möglicherweise - unzureichender sein, als die Architektur von woanders an einen neuen Ort zu übertragen.

Jenseits der Verstärkung des Kontexts der kulturellen Identität, ist es notwendig, zu erkennen, dass "Identität" dynamisch und nicht statisch ist. Im weitesten Sinne reagiert die kulturelle Identität auf die äußerlichen Bedingungen, denen ein „Ort“ ausgesetzt ist. Eine Architektur der Integrität wird lokalen Stolz erzeugen und externe Anerkennung bringen. Ganz einfach - eine Architektur, die in ihrer Antwort auf physischen, kulturellen und sozialen Kontext bodenständig ist, wird an einem anderen Ort bedeutungslos sein.

Nationale Identität und Ambition

Architektur sollte als treibende Kraft bei der Gestaltung von ambitionierten und modernen Städten, Regionen und Nationen genutzt werden, um eine sich stetig entwickelnde und kollektive Identität zum Ausdruck zu bringen.

Große öffentliche Gebäude, wie zum Beispiel Stadien, werden enorm zu diesem Prozess beitragen. Sie sollten immer mutig und innovativ sein. Bestimmend in ihrem Ausdruck, sollten sie die Lebenskraft aller heben, die sie nutzen, besuchen und passieren. Vor allem aber sollten die Gebäude ein Ort sein, die eine wesentliche Antwort auf die lokale Herausforderung des "Raum bieten" geben.

Großveranstaltungen und die Herausforderung des Vermächtnisses

Die auferlegten Anforderungen von internationalen Sportereignissen sind universell und übertragbar auf jeden Ort weltweit. Die temporär geschaffenen Bedingungen und deren anschließendes Vermächtnis stehen häufig im Widerspruch zu den kulturellen und städtischen Normen eines Ortes. Stadionflächen, insbesondere derer, die zur Ausrichtung von Großveranstaltungen geeignet sind, können „lebensfeindliche“ Orte darstellen, welche Raum und Infrastruktur „hungrig“ sind und wenig zum kulturellen und städtischen Leben beitragen. Die Geschichte zeigt immer wieder, dass das „Vermächtnis des Stadions“ ein peinliches Niveau von Abfällen, Kosten und letztlich einen architektonischen Kompromiss mit dem „Erbe“ des Stadions herausfordern.

Wenn die Architektur des Stadions symbolisch für einen Ort und seine Kultur betrachtet werden soll, müssen wir uns fragen, wie das Stadion-Gebiet als „Erbe“ zu einem kulturellen und öffentlichen Leben beitragen und dieses fördern kann.

Die Lösungen dafür sind ebenso vielfältig wie der Kontexte an sich. Dennoch - als Designer unsere Ambitionen müssen (wenigstens) einige gemeinsame Ziele adressiert werden: wir sollten öffentliche Räume entwerfen, die den lokalen Gewohnheiten angemessen sind und die Art des dortigen öffentlichen Lebens unterstützen. Die verwendeten Materialien sollten das Klima mäßig, so dass die Räume angenehm zu betreten sind. Dies bedeutet oft, dass sich an indigenen Gebäudetypologien bedient werden muss, dabei sollte jedoch in ein gewisses Maß an Flexibilität gewahrt werden, um unvorhergesehenen kulturelle Nuancen das Dasein zu ermöglichen. Wir sollten diese Orte mit Einrichtungen ausstatten, die benötigt und anschließend genutzt werden können.

Zusammenfassung

Das "Stadion" und die "internationalen Sport-Großveranstaltung", so wie wir sie gerade jetzt in Frankreich sehen, sind globale Phänomene, dessen modernisierende Auswirkung extrem positiv sein können. Es kann aber auch eine Bedrohung für die kulturelle und traditionelle Identität des „dort“ mit dem Begriff "überall" erodiert.

Allerdings kann "dort" auch etwas Besonderes sein. Insbesondere im Zusammenhang mit der Anpassung an "globale" programmatische Herausforderungen. Architektur, die bisher keine lokale Präzedenz in relevanter und zeitgenössischer Architektur darstellt, bietet die Chance der Intensivierung und des Ausdrucks der lokalen Identität. Darüber hinaus, in Bezug auf das große Gebiet des „Erbes“, befassen wir uns mit dem „Raum bieten“, um ein kulturelles Leben und eine kulturelle Identität zu unterstützen.  

Wenn Sie den der Original-Artikel lesen oder sich weiter über dieses Thema informieren möchten, können Sie dies durch den Besuch der Panstadia & Arena Management-Website.

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