Karriereeinblicke von Egon Theiner

Herr Theiner, Sie sind Geschäftsführer des egoth Verlags. Dieser wurde im Frühjahr 2004 gegründet. Ihr Motto lautet, „starke Seiten“ anzubieten. Sie produzieren qualitativ hochwertige Bücher, und Sie wollen einen konkreten Beitrag für eine unterhaltsam-sinnvolle Freizeitgestaltung liefern. Wenn wir Ihre Unternehmensphilosophie richtig interpretieren, dann wollen Sie wertvolle Bücher anbieten, als gesellschaftlichen Auftrag quasi, mit denen Ereignisse und Erlebnisse, Ideen und Philosophien weitervermittelt oder bewahrt werden. Und dies im Feld des Sports…

Egon Theiner [square]

Nun ja, vielleicht mag es für den einen oder anderen sinnbefreit klingen, wenn man von „wertvollen Büchern“ mit sportlichem Kontext spricht. Bei Büchern, da denkt man an Goethe oder Dante, an Grass oder Jelinek. Doch der Sport ist ein wichtiger Bereich und spannendes Feld in der Gesellschaft, Sport und Literatur sind mehr als nur „verfeindete Brüder“, wie es Marcel Reich-Ranicki einmal, 1964, beschrieb. Diese Aussage ist über 50 Jahre her, doch Bruderliebe gibt es immer noch nicht zwischen den beiden angesprochenen Bereichen. Nun sind egoth-Bücher mehr Sachbücher als Literatur, wertvoll (weil sie Inhalte erklären und/oder bewahren) sind unsere Produkte nach meinen persönlichen Vorstellungen dennoch. 

Herr Theiner, wie kann man sich den Job als Geschäftsführer vorstellen und was macht den besonderen Reiz aus? 

Der egoth-Verlag ist ein kleiner, feiner Verlag. Wir sind eine eingeschworene Gruppe, die sich blind versteht. Leidenschaft für die Materie und für schöne Bücher spornt uns an, sie wird in den einzelnen Prozessen lebendig und offen mit dem Team rasch umgesetzt. Wir stellen uns flexibel auf Unwegsamkeiten ein, die in der Natur der Sache liegen, wenn man sich mit besonderen Menschen oder Themen beschäftigt und dabei einen kaufmännischen Blick behalten muss. Doch wenn Manuskripte zu spät angeliefert werden, die richtigen Bilder nicht auf die Schnelle gefunden werden, Drucktermine eventuell nicht halten, dann ist neben Professionalität auch Flexibilität, vielleicht auch Improvisation gefragt. Die Qualität des Endprodukts darf darunter aber nicht leiden.
Sehr viele Agenden eines „klassischen“ Geschäftsführers fallen bei egoth weg. Der besondere Reiz meiner Position liegt darin, dass ich von der Themenfindung bis zur fertigen Produkt in allen Arbeitsschritten eingebunden bin und deswegen auch Bücher auf den Markt bringe, die inhaltlich und ästhetisch jenen Anforderungen entsprechen, die ich mir vorstelle. 
Großen Wert lege ich auf die persönliche Zusammenarbeit mit dem Star, mit Skisprung-Legende Jens Weißflog oder Kombinations-Weltmeister Mario Stecher beispielsweise, die letztlich ein Werk in den Händen halten sollen, das auch ihren Ideen entspricht. Ich sehe mich somit als Transporteur eigener Vorstellungen und Unterstützer anderer. Deren Bücher entstehen nicht aufgrund vorhandener Informationen, die man eben zwischen zwei Pappdeckel packt und mit ein paar Bildern versieht. Ihre Biographien werden in tagelangen Gesprächen erarbeitet, das gesprochene Wort des Spitzensportlers soll sich im geschriebenen wiederfinden, ohne dass es platt oder banal wirkt. Mir geht es darum, den Menschen hinter dem Star zu sehen, diesen in seinem Buch zur Geltung kommen zu lassen und ihn auch in seinem Sinne darzustellen.

Wie schaut ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?

Immer wieder unterschiedlich – auch dies ist ein Reiz des Jobs. Je nachdem, in welcher Phase sich ein Buchprojekt befindet, liegt mein Fokus aus dem Manuskript, der graphischen Gestaltung, Vertrieb, PR und Marketing. In allen Bereichen kann ich auf wertvolle Mitarbeiter zählen, ohne die ich den egoth-Verlag nicht am Laufen halten könnte. Denn es gibt immer wieder Zeiten, in denen sich mehrere Buchproduktionen überschneiden. Ich arbeite viel und gerne, 9-to-5 ist ein Fremdwort, doch die wahre Stärke kommt aus dem Team.

Welche Schritte sind Sie in Ihrer Karriere gegangen und wie sind Sie zu Ihrem aktuellen Job gekommen? 

Sportjournalist für 14 Jahre in Bozen/Südtirol und Salzburg, Buchautor und Verleger seit 1999 bzw. 2004, Mitarbeiter bei sportlichen Großveranstaltungen im Bereich Media Operations seit 2005 – meine Welt ist der Sport. In meinem Leben lasse ich mich vom Gedanken leiten, jeden Tag etwas Neues dazuzulernen. Vielleicht ist mir die gemachte Erfahrung nicht sofort bewusst sondern kommt erst zu einem späteren Zeitpunkt zum Tragen. Der Wille, Tag für Tag den eigenen Horizont zu erweitern, die Komfortzone zu verlassen, sich mit neuen Personen zu konfrontieren, hat mich in die aktuelle Position geführt. Der Sportjournalist wurde Autor, der Autor Verleger. Mal schauen, wohin die Reise weiter geht.

Welche Eigenschaften sind besonders wichtig für Ihren Job und welche Qualitäten haben Sie durch diese Position dazugewonnen - Herausforderungen und Möglichkeiten?

Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen und sehr viele glauben, dass diese Geschichte ein Buch wert ist. Wenn ein sportlicher Erfolg vorhanden ist, wenn der Karriereverlauf nicht linear war, sondern Brüche aufweist, wenn der Protagonist oder die Protagonistin ein starker, bekannter Charakter ist, dann kann an eine Publikation gedacht werden. Aber bedenken Sie, dass pro Jahr 100.000 Bücher allein in deutscher Sprache erscheinen. Wer soll die alle lesen?! Wichtig ist mir deswegen, die richtigen Themen zu finden und gleichzeitig auch jene Empathie zu zeigen, die zuweilen fehlt –  einfühlsam zu sein mit jenen, die ein Buch schreiben wollen, das überschaubares Interesse erzeugen wird. Aber was sind die richtigen Themen? Jene, die sich gut verkaufen, oder jene, die zu wertvollen Büchern führen? Das Produkt nach meinen Vorstellungen zu gestalten und es gleichzeitig markttauglich zu machen ist der Spagat, der manchmal gelingt und manchmal nicht.

Beschreiben Sie kurz den besonderen Reiz als Geschäftsführer der egoth Verlag GmbH zu arbeiten und an welchen aktuellen und zukünftigen Projekten arbeiten Sie momentan?

Es gibt immer was zu tun bei egoth, und meistens ist es etwas Neues und Spannendes. Wer eines unserer Bücher aufschlägt, bewertet unsere, und meine, Arbeit der vergangenen Monate. Jeder, so auch ich, möchte beim Kunden, beim Leser, einen positiven Eindruck hinterlassen. Die Buchproduktion für das Frühjahr 2015 ist abgeschlossen – unter anderem mit einem englischsprachigen Buch zur Organisation von Sportevents -, auf der Wunschliste für den Herbst stehen Bücher zu den Themenkreisen Wintersport, Motorsport und Fußball. Und auch einige Lizenztitel, besonders aus Italien aus dem Bereich Alpinismus, würde ich gerne in unserem Programm sehen.

Abschließende Gedanken?

Lesen, lesen, lesen! Lesen unterhält, lesen bildet. Mit Lesen lernt man Tag für Tag Neues dazu. Auch wenn es nicht egoth-Bücher sind: Lesen Sie in einem Buch, in dessen traditioneller Form oder auf einem elektronischen Gerät. Und, ja, egoth bietet auch e-books an.

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