Interview: Andrew Parsons, Präsident des IPC

Veröffentlicht: Montag, 29. Januar 2018

ipc Am 8. September 2018 wurde Parson mit 84 Stimmen vor der Chinesin Haidi Zhang (47 Stimmen), dem Dänen John Petersson (19) und dem Kanadier Patrick Jarvis (12) zum dritten Präsidenten in der Geschichte des IPC gewählt. Wir haben gefragt, wie sein Leben seit der Ernennung aussieht und welche Zukunftspläne er für die Internationale Paralympische Bewegung hat.

Es war alles andere als ein ruhiger Start für Parsons in seiner Rolle als IPCPräsident. Seine erste Woche nannte er „sehr ereignisreich, aber fantastisch“.

Stärkung der Beziehung zum Internationalen Olympischen Komitee

Nur wenige Tage nach dem Wahlsieg flog Parsons nach Lima, Peru, um an der 131. Sitzung des IOC teilzunehmen.

Die Zeit war mit Treffen gefüllt, unter anderem mit dem Präsidenten des IOC, Thomas Bach, sowie mit Besuchen der Austragungsstätten der Panamerikanischen Spiele und Parapanamerikanischen Spiele 2019 in Lima gemeinsam mit dem Organisationskomitee. Dazu kam seine Vorstellung in der „Olympischen Welt“ und mit „fantastischen Momenten“, insbesondere der Genehmigung von Paris 2024 und Los Angeles 2028 als nächste Gastgeber für die Olympischen und Paralympischen Spiele.

Seine Teilnahme an der IOCSitzung war mehr als nur eine Formalität. Sie stellte den Beginn seiner Präsidentschaft und seiner Arbeit am Aufbau der Beziehung zwischen IPC und IOC dar. Im Juni 2001 wurde eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, die das Ziel hatte, die Organisation der Paralympischen Spiele zu schützen und die Gewohnheit festzuschreiben, beide Veranstaltungen in derselben Stadt auszutragen. Diese Vereinbarung wurde im Laufe der Jahre ausgeweitet und 2016 einigte man sich auf die Prinzipien für eine neue Vereinbarung bis 2032.

Unter anderem soll die Sichtbarkeit der Paralympischen Spiele vergrößert und ihre Marke verbessert sowie die finanzielle Stabilität und langfristige Tragfähigkeit des IPC, der Paralympischen Spiele und der Paralympischen Bewegung gesichert werden.

Parsons sagte jedoch, die Beziehung zwischen IPC und IOC sei „nicht nur für die Spiele“ wichtig.

ipc 2„Wir wünschen uns eine engere Beziehung zur gesamten Olympischen Bewegung, denn ich denke, dass beispielsweise die regionalen Organisationen hinsichtlich der Parapanamerikanischen Spiele von der Partnerschaft z. B. mit dem Americas Paralympic Committee und der PSO (Panamerikanische Sportorganisation) profitieren können“, sagte Parsons.

Er hat bereits erlebt, wie sich eine Partnerschaft der beiden Bewegungen auf regionaler Ebene positiv ausgewirkt hat, als beispielsweise das Nationale Olympische Komitee (NOC) in Chile half, ein NPC für das Land völlig neu aufzubauen.

„Wir haben festgestellt, wie wichtig die Unterstützung des NOC von Anfang an war“, sagte Parsons. „Es geht also nicht nur um die Beziehung zwischen IOC und IPC, sondern es gehört noch mehr dazu.“

Mitglieder und Paralympische Sportler unterstützen

Parsons sagte, dass er am IPC und der Paralympischen Bewegung unter anderem ändern würde, wie das IPC seine 202 Mitglieder unterstützt. Dazu gehören NPCs, internationale Sportfachverbände sowie regionale und internationale Organisationen für Behindertensport (IOSDs).

Er wünscht sich, dass das IPC als weltweites Leitungsgremium der Paralympischen Bewegung seinen Mitgliedern gegenüber aktiver wird, statt nur zu reagieren, und dass es ihre Bedürfnisse und Herausforderungen besser zu verstehen lernt.

„Als Mitgliedsorganisation existieren wir, um unseren Mitgliedern zu dienen, und gemeinsam können wir den Paralympischen Athleten der Welt am besten den Pfad ebnen“, sagte Parsons.

Diese Überzeugung entstand in den fast 20 Jahren, die er in einem NPC gearbeitet hat. Zudem sagte Parsons, dass dank seines Bildungshintergrundes in Zukunft mehr Kommunikations- und Marketinginitiativen vom IPC zu erwarten seien, um seine Mitglieder in ihrer Entwicklung zu unterstützen.

„Es geht nicht nur um Kommunikation und Marketing des IPC, sondern darum, wie wir die NPCs und internationalen Verbände in diesen Bereichen besser unterstützen können... Manche unserer Mitglieder haben diese Programme bereits gut etabliert, doch ich würde sagen, dass die überwiegende Mehrheit sie noch immer nicht hat.“

Er möchte erreichen, dass das IPC mehr Lösungen bietet und Bemühungen zwischen internationalen Verbänden und NPCs, zwischen NPCs und Regionen usw. koordiniert – nicht nur bezüglich Kommunikation und Marketing, sondern im Hinblick auf „alles, was mit Entwicklung und hoher Leistungsfähigkeit zu tun hat“.

Einführung neuer Ideen

In seinem Wahlprogramm stellte Parsons zwei Punkte vor, die für die Paralympische Bewegung völlig neu wären: Die Professionalisierung des Klassifizierungsprozesses der Sportler mit strikterer Überwachung der Einstufung und Leistungsfähigkeit sowie die Einführung Paralympischer Jugendspiele.

„Nichts davon wird einfach sein“, sagte Parsons. „In Bezug auf die Klassifizierung ergeben sich immer mehr Probleme. Je relevanter wir als Organisation werden, desto mehr diskutiert die Außenwelt über die Klassifizierung und ficht sie an... Für sie ist es sehr wichtig, dass die Klassifizierung verständlich und vertrauenswürdig ist. Meiner Meinung nach haben wir also viel Arbeit vor uns, um die Klassifizierung zu verbessern.“

Parson sagte, man müsse die Klassifizierungsprobleme nicht nur für die Außenwelt, sondern auch innerhalb der Bewegung anpacken.

Damit dies möglich sei, sagte er, müsse das IPC sehr eng mit internationalen Sportverbänden und dem Klassifizierungskomitee zusammenarbeiten, um Lösungen zu finden. Als Teil seiner ersten Wochen als Präsident nahm Parsons an der Konferenz VISTA 2017 in Toronto, Kanada, teil und ergriff die Gelegenheit, um sich mit dem Klassifizierungskomitee des IPC zu treffen und „mit ihnen über diese Herausforderungen zu diskutieren“.

„Wir haben außerdem ein Problem damit, Außenstehenden die Klassifizierung zu vermitteln, und wie wir sie innerhalb der Paralympischen Bewegung und gegenüber der Außenwelt einordnen“, sagte Parsons.

Hinsichtlich der ersten Paralympischen Jugendspiele sagte Parsons, dass er zunächst nur vorschlage, Gespräche über solche Spiele zu beginnen. Er müsse zuerst verstehen, was die Mitglieder von solchen Spielen erwarten, z. B. wie viele Sportarten einbezogen werden sollen und ob es eine Zusammenarbeit mit den Olympischen Jugendspielen geben soll.

Dieser Artikel wurde ursprünglich von unserem Partner The International Paralympic Association (IPC) in ihrem Magazin „The Paralympian“ veröffentlicht.


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