Interview: Alejandro Dominguez über die Umstrukturierung von Conmebol zu einem Unternehmen des 21. Jahrhunderts

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Alejandro 680

Als der Paraguayer Alejandro Dominguez im Januar 2016 Präsident des südamerikanischen Fußballverbandes Conmebol wurde, übernahm er damit eines der angeschlagensten Ämter der Fußballwelt. Seine drei direkten Vorgänger – Juan Ángel Napout, Eugenio Figueredo und Nicolás Leoz – waren alle in Korruptionsskandale verwickelt. Die beiden Ersteren wurden dabei verhaftet, Leoz unter Hausarrest gestellt.

Für Dominguez nimmt die Verbesserung des Images und der Praktiken von Conmebol – und die Vermittlung besserer Methoden an seine zehn Mitgliedsverbände – nur einen Teil des Modernisierungsprozesses ein. Auf Vereinsebene und internationalem Niveau ist es nötig, die Leidenschaft und das Potential des südamerikanischen Fußballs in der Ära der Globalisierung richtig zu nutzen. In einigen Fällen bedeutet das die Zusammenarbeit mit den Nachbarn im Norden. In anderen wiederum heißt es, dass lokale Neuerungen durchgesetzt werden müssen.

Vor diesem Hintergrund traf sich SportsPro zu einem kurzen Interview mit Dominguez auf der Football-Talks-Konferenz in Estoril, Portugal.

SP: Wie haben Sie versucht, sich in dieses Amt hineinzufinden und mit der Organisation von der vorherigen Krise wegzukommen?
AD: Ich habe die Chance gesehen, nicht die Krise. Ich habe die Chance gesehen und arbeite jetzt mit meinem Team daran, Conmebol von einer Organisation des 19. Jahrhunderts zu einer Organisation des 21. Jahrhunderts umzustrukturieren. Wie entwickeln uns also in diese Richtung weiter. Dabei stehen wir der großen Aufgabe gegenüber, den derzeitigen Fokus der Organisation zu verändern, der momentan auf dem Fußball als Zweck und dem Geld als Mittel zum Zweck liegt. Das sage ich, weil ich bei meinem Amtsantritt gesehen habe, dass der Verband wie ein persönliches Geschäft geleitet wurde, bei dem der Fußball nur Mittel zum Zweck war.

Es scheint einfach. Doch es braucht Zeit, weil Veränderungen nie so leicht vonstattengehen, wie wir es uns wünschen.

Welche konkreten Maßnahmen haben Sie ergriffen oder möchten Sie in Zukunft ergreifen, um dieses Ziel zu erreichen?
Nun, schauen wir uns einmal das Budget an, das jetzt öffentlich gemacht wurde. Jetzt kann jeder sehen, wie viel Geld in den Conmebol fließt und wie viel Geld der Verband abwirft. Man kann nicht nur sehen, wie viel ausgegeben wird, sondern auch, wohin das Geld fließt.

Warum sage ich das? Vor meinem Amtsantritt bekamen die Vereine nur 40 Millionen US-Dollar für die Copa Libertadores. Jetzt bekommen die Vereine von uns für alle drei Vereinswettbewerbe – Libertadores, Sudamericana und Recopa – 139 Millionen US-Dollar. So setzen wir das Geld da ein, wo es hingehört, wo es schon immer hingehört hätte.

Wir entwickeln uns also weiter. Wir nehmen alle Veränderungen deswegen vor, weil wir verstanden haben, dass es ein Problem gibt und dass unsere Vereine nicht die gewünschten Leistungen bringen können, wenn wir nicht die Kompetenzen und Programme und alles andere für den Fußball und das Spiel ändern. Ich glaube fest daran, dass nach diesen Veränderungen und nachdem wir nun zu einem offenen Verfahren und offenen Ausschreibungen übergehen, mehr Geld in die Organisation fließen wird. Dadurch kommt auch mehr Geld bei den Vereinen an. Daher sollte auch mehr Geld an die Spieler gelangen.

Deswegen riefen wir auch die Vereinslizensierung ins Leben, damit wir sicher sein können, dass in Zukunft fair gespielt wird.

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Diese Frage wurde Ihrem Kollegen Victor Montagliani ebenfalls gestellt. In den letzten Jahren wurden nicht nur Funktionäre gestürzt, sondern auch Partner und Mittler. Wie stellen Sie nun, da immer mehr Unternehmen diesen Raum ausfüllen wollen, sicher, dass Sie nicht einfach nur die einen dubiosen Partner mit den anderen ersetzen?
Ich verstehe und würde sagen, dass das eine sehr gute Frage ist. Das stellt in der Tat eine Herausforderung dar. Ich glaube fest an meine Leute, an die Weiterentwicklung, wenn wir die richtigen Dinge tun. Zudem glaube ich, dass unsere Arbeitsweise offen und transparent sein wird. Und wir hoffen, dass die Endkunden die Rechte von Conmebol kaufen werden.

Ich mag keine Mittelsmänner und habe das schon immer deutlich zum Ausdruck gebracht. Also muss es andere Wege geben. Wir sind nicht die ersten, die das tun. Deswegen müssen wir lernen, wie andere es richtig getan haben, und dies genauso tun.

Wie viel muss von den einzelnen Mitgliedsverbänden, Vereinen und Ligen in Südamerika kommen, um die Art der Geschäftstätigkeit im Fußball zu modernisieren und zu komprimieren?
Der Wandel muss von oben nach unten und von unten nach oben vonstattengehen. Wir tun das gerade. Wir gehen auf die Mitgliedsverbände und die Vereine zu. Diese müssen allerdings auch ihren Teil der Arbeit leisten, der – wie bereits erwähnt – darin besteht, Zahlen zu nennen, die Spieler angemessen zu bezahlen und in die Grundlagen und Weiterentwicklung des Fußballs zu investieren – ob es sich um Futsal, Strandfußball, Männer- oder Frauenfußball handelt. Das Geld muss dort ankommen.

Wir haben schon so viele Spielerinnen und Spieler, die auf der ganzen Welt gewinnen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie viel mehr wir durch deren Förderung erreichen könnten. Das muss von unserer Seite ausgehen und bei den Teams und Vereinen ankommen. Diese müssten dann wiederum ihren Beitrag dazu leisten.

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Wie eng arbeiten Sie in diesen Angelegenheiten mit Concacaf über zwei Kontinente hinweg zusammen?
Ich bin eng mit Victor und Aleksandr [Čeferin, Präsident der UEFA] befreundet. Wie ich in meiner Rede gesagt habe, bin ich hier, um an der Integration zu arbeiten. Ich glaube fest daran, dass der Fußball uns zu Freunden macht.

Auch wenn wir in Konkurrenz zueinander stehen, müssen wir lernen, dass wir in erster Linie Freunde sind und dass wir eine große Verantwortung haben, der Welt zu zeigen, dass der Fußball uns vereint. Jeder wird immer noch er selbst sein: Wir sind immer noch Conmebol, auf keinen Fall werden wir uns zusammenschließen. Doch das heißt nicht, dass wir nicht zusammen arbeiten können, um den Fußball zu fördern und mehr für ihn zu tun.

Es gab in den letzten Tagen Berichte darüber, dass die USA die Copa America 2020 ausrichten könnten.
2019 richten wir die Copa America in Brasilien aus. Danach ist alles offen. Beide Seiten arbeiten daran, die Möglichkeit zu überprüfen, ob wir eine weitere Copa America in den USA ausrichten können und ob das Turnier immer dort ausgerichtet wird oder abwechselnd in den USA und in Südamerika stattfindet. Das ist auch noch nicht entschieden.

Was ist mit der Wettbewerbsstruktur im südamerikanischen Vereinsfußball? Die Copa Sudamericana wird verschoben.
Es wird gleichzeitig gespielt – die Copa Sudamericana und die Libertadores. Dabei spielen die Nationalmannschaften zudem ihre eigenen Tourniere. Wir sind deswegen offen und geben ihnen mehr Zeit, sodass sie bei beidem spielen können.

Worin liegt die Herausforderung, so etwas auf einem so großen Kontinent wie Südamerika zu tun, wo es so viele nationale Wettbewerbe und in Ländern wie Brasilien innerstaatliche Wettbewerbe gibt, die für die Menschen eine so große Bedeutung haben?
Die Veränderungen wurden gemeinsam mit den Mitgliedsverbänden vorgenommen. Das ging nicht nur von uns aus. Zum ersten Mal haben wir dies angestoßen, uns mit allen zusammengesetzt und ihnen unsere Idee erzählt. Sie haben ihre eigenen Veränderungen bei ihren Turnieren durchgeführt, was in Ordnung für uns ist.

Obwohl 2017 ein Übergangsjahr ist, hoffen wir, dass wir uns mit den Vereinen zusammensetzen können und uns einen Überblick darüber verschaffen können, was vor sich geht – was wir ihrer Meinung nach gut gemacht haben und was nächstes Jahr besser werden muss. Bisher gab es keine negativen Berichte.

Worin besteht das wirtschaftliche Potential für südamerikanische Vereinswettbewerbe?
Ich kann Ihnen nur die Untergrenze nennen, denn mehr wissen wir im Moment noch nicht. Ich kann Ihnen nicht sagen, was die höchsten Zahlen sind, die wir erreichen werden.

Ursprünglich auf Englisch von unserem Partner SportPro Media nach einem Artikel von Eoin Connolly (@eoinfconnolly) von SportPro veröffentlicht


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