Die 10 wichtigsten Themen im Bereich Übertragungsrechte für Sportveranstaltungen und geistige Eigentumsrechte für 2017 (6-10)

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Im abschließenden Teil dieser zweiteiligen Serie gibt der Partner von GlobalSportsJobs für Rechtsfragen, Couchmans LLP, einen tieferen Einblick in die wichtigsten rechtlichen Themen, mit denen Sportorganisationen im kommenden Jahr konfrontiert sein werden.

Durch die Zusammenarbeit mit zahlreichen Organisationen, Unternehmen und Sportlern aus rund 30 verschiedenen Sportarten haben wir bei Couchmans LLP das Privileg, hautnah zu sehen, was vor Ort in der Sportbranche geschieht und was die wichtigsten Herausforderungen sind, vor denen unsere Mandanten stehen bzw. stehen werden. Derzeit erleben wir eine besonders faszinierende Zeit im Sport aufgrund der Auswirkungen der sich schnell verändernden Medienrechte, einer Führungskrise bei den entsprechenden Sportarten, bahnbrechender Technologien sowie neuer Marktteilnehmer und Einnahmequellen auf dem Markt.

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6. Anforderungen an Verträge über Übertragungsrechte und Ausschreibungsverfahren

Es gab jüngst zahlreiche Beispiele, bei denen die vertraglich festgelegte Verlängerung der Übertragungsrechte in Verträgen über die Übertragungsrechte von Sportveranstaltungen entweder ignoriert oder in Frage gestellt wurde. In Indien behauptete Sony, dass es ein verbindliches Vorverkaufsrecht auf die Vertragsverlängerung der lukrativen, inländischen Übertragungsrechte an der indischen Cricket-Profiliga (IPL) hat. Der indische Cricket-Verband (BCCI) bestand jedoch auf die Ausschreibung der Rechte (diese Ausschreibung wurde anschließend verschoben). In Australien überprüft der nationale Tennisverband Tennis Australia Berichten zufolge das Verfahren, aus dem die Vertragsverlängerung mit Channel 7 hervorging, ohne dass jedoch eine öffentliche Ausschreibung zugrunde lag. Auch die australische Börsenaufsicht (Australian Securities and Investments Commission) untersucht diesen Fall nun. Es gibt mehrere weitere aktuelle Beispiele von (fehlenden) Ausschreibungsverfahren, die nach geltendem Wettbewerbs- und/oder Vergaberecht angefochten werden.

Optionen, passende Rechte, Vorverkaufsrechte und dergleichen sind seit jeher umstritten. Doch es scheint zunehmend, dass ihre Zweckmäßigkeit zugunsten der wesentlichen Rechte weltweit in Frage gestellt wird. Ein stärkerer Wettbewerb sorgt für die genauere Überprüfung der Langzeit- und/oder nicht ausgeschriebenen Rechte und vertraglichen Bestimmungen, die dem Käufer einen unlauteren Vorteil verschaffen soll. Die Durchsetzung solcher Vereinbarungen wird auf internationaler Ebene voraussichtlich immer schwieriger zu rechtfertigen sein.

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7. Integrität

Der Bereich Integrität, der eng mit Steuerung, Daten und Wetten verbunden ist, bleibt hoch oben auf der Tagesordnung – insbesondere in Bezug auf Wettbetrug, Spielabsprachen und Doping. Im Tennissport beispielsweise soll ein unabhängiges Gutachtergremium im ersten Quartal 2017 Bericht über Antikorruptions-Protokolle, Strukturen und Ressourcen erstatten. Ohne spezifische Anmerkungen in Bezug auf den Tennissport zu machen, sind die von den Dachverbänden ergriffenen Maßnahmen im Bereich Integrität in vielen Fällen nicht ausreichend, um die Probleme durch Spielabsprachen/Punktmanipulation zu bekämpfen. In vielen Sportarten sind daher weiterhin Investitionen und grundlegende Reformen erforderlich.

Ebenso ist eine tiefgreifende Überarbeitung der Bieterverfahren für große Sportereignisse zweifellos erforderlich. Der FIFA-Präsident Gianni Infantino hat vor kurzem angekündigt, dass ein betrugssicheres Bieterverfahren für die WM 2026 erstellt wird.

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8. Tragbare Technologie und persönliche Daten

In der kürzlich bekannt gegebenen vorläufigen Vereinbarung zwischen der NBA und der NBA-Spielervereinigung wurde zum ersten Mal in der Sportgeschichte das Thema der tragbaren Technologie angesprochen – mit der Möglichkeit, Trainern und Fans die biometrischen Echtzeit-Daten zur Verfügung zu stellen. Die Partnerschaft im Radsport zwischen Velon und GoPro zeichnet sich durch auf dem Fahrrad angebrachte Kameras aus und gewährt Fans eine völlig neue Perspektive auf die Tour de France. Die rechtlichen Fragen dabei sind vielfältig: Wem gehören die biometrischen Daten der Sportler? Handelt es sich dabei um Datenrecht, Medienrecht oder etwas anderes? Wie können diese Daten bei Sportveranstaltungen eingesetzt werden, um für die Verbesserung des Fanerlebnisses und gleichzeitig für die Wahrung des Wettbewerbsvorteils zu sorgen?

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9. China

China hat einen großen Felsbrocken in die internationalen Gewässer der Sportbranche geworfen. Diese Wellen ziehen schnell weite Kreise. Chinesische Interessenten haben bereits eine beachtliche Anzahl an Agenturen (Infront, M&P Silva) sowie Eigentumsrechte (Ironman-Triathlon) erworben. Zudem haben sie in europäische Fußballvereine und Top-Spieler investiert. Die erfolgreichen chinesischen Investitionstätigkeiten im Sport werden mit kürzlich bekannt gegebenen Partnerschaften zwischen  Alisports, dem Weltverband der Rugby Union (World Rugby) und dem Weltschwimmverband (FINA) sowie Wanda und TenCent mit dem Weltbasketballverband (FIBA) sowie der Einführung von neuen großen eSport-Turnieren fortgesetzt. Die Möglichkeiten durch das wachsende Interesse der Chinesen an Sport sind beträchtlich. So sind chinesische Medienkonzerne und Investoren scheinbar bereit, Preise zu bezahlen, die westliche Kollegen möglicherweise nicht hinlegen würden, um das sportliche Know-how zu steigern, den Vermögensbestand zu erhöhen und die Eroberung der Marktanteile zu beschleunigen. Durch gesetzliche Änderungen in China und Unterstützung seitens der Regierung wurde dieses Phänomen gefördert und ermöglicht. Aus rechtlicher Sicht gibt es zahlreiche Herausforderungen bezüglich der rechtlichen Stellung, das Risiko von Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen, das Maß an Schutz der geistlichen Eigentumsrechte usw. Im Gegensatz dazu bedürfen chinesische Investoren, die sich mit dem Sportgeschäft vielleicht nicht gut auskennen, fachliche Unterstützung bei der Bewertung und dem Abschluss erfolgreicher Abkommen.

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10. Nischen-Sportarten/neue Formate

Vom professionellen Surfen und Skateboarden über Ulimate Fighting Championship (UFC) bis hin zum eSport – die Minderheit-/Nischen-/Lifestyle-Sportarten sind im Kommen. Dabei treiben digitale Medien und soziale Netzwerke diese Entwicklung massiv voran. So sorgen sie für die Live-Übertragung mit erstklassiger Bild- und Tonqualität sowie anderen Inhalten für Zuschauer auf der ganzen Welt. Darüber hinaus wird dieses Phänomen durch den Netzwerkeffekt von Fans angetrieben, die mit den Sportlern interagieren und ihre Meinungen und Inhalte über die sozialen Netzwerke verbreiten bzw. teilen können. Unterdessen geht die Tendenz im Bereich der Mainstream-Sportarten weiter in Richtung neuer Formate – mit Veranstaltungen, wie den Nitro Athletics mit Superstar Usain Bolt, der indischen Premier-Futsal-League sowie einer Reihe neuer Turniere des Twenty20-Crickets. Durch diese Projekte entstehen neue gewerbliche Rechte und Eigentumsrechte, die häufig aus vorhandenen gesetzlichen und vertraglichen Verpflichtungen entwirrt werden müssen. Des Weiteren wird eine neue Nischen-Sportart Teil der Olympischen Spiele im Jahr 2020. Revierkämpfe zwischen den beteiligten Sportverbänden könnten bevorstehen.

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11. Sonderthema: Brexit

Wird der Brexit eine unangenehme rechtliche Überraschung oder eine harmlose Lockerung der Regelungen für die Sportwelt bedeuten? Das ist derzeit noch nicht absehbar, da der Prozess für das Vereinigte Königreich, sich von der EU und der Vielzahl an gesetzlichen Vorschriften, Pflichten und Regelungen zu befreien, noch gar nicht begonnen hat. Trotzdem müssen Sportverbände und ‑unternehmen angesichts der laufenden Ereignisse sicherlich ein wachsames Auge auf die Situation sowie deren Auswirkungen für bestehende und neue Regeln, Vereinbarungen und Strategien haben. Ein paar der spezifischen Auswirkungen für den Sport werden in einem weiteren Artikel von Couchmans berücksichtigt. 


Part 1 der Top 10 finden Sie hier.

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