Der effektive Herstellungsprozess aus der Sicht eines adidas-Designers

adidas

Im Jahr 1946 haben Charles und Ray Eames ein neues Produkt eingeführt – das LCW. LCW steht für Lounge Chair Wood. Durch die Kombination aus Ästhetik und handwerklichem Geschick hat sich das LCW zu einem Vorreiter entwickelt. Sie kreierten das Produkt mit einer erstaunlichen Präzision, die so inspirierend ist, dass das Produkt wohl noch über Jahrzehnte hin kopiert wird. Mit dieser Design-Ikone wurde ein neuer Produktionsprozess entdeckt, mit dem ihnen der Durchbruch gelang.  Schon seit mehreren Hundert Jahren wird Sperrholz für die Manufaktur genutzt. Kürzlich wurde es sogar trotz geringerer Attraktivität in der Flugzeugentwicklung verwendet.

Die beiden haben es hingegen geschafft das unattraktive und billig aussehende Sperrholz teuer und luxuriös erscheinen zu lassen und somit eine breite Masse anzusprechen. Durch die Entscheidung für ein innovatives Herstellungsverfahren mit einem weitverbreitenden aber meist unbeliebten Rohstoff, haben sie nicht nur ein neues und elegantes Produkt geschaffen, sondern auch neue Maßstäbe im Design gesetzt.

Hierzu gibt es derzeit auch einige Parallelen zu Sportprodukten auf dem globalen Markt. Auf der einen Seite erwarten Konsumenten zunehmend Innovationen mit Komfort, Funktion und Stil. Auf der anderen Seite erwarten sie von den Herstellern aber auch eine sichere, hochwertige und nachhaltige Produktion. Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat gezeigt: Konsumenten empfinden Unternehmen mit führendem Nachhaltigkeitsengagement 400 % innovativer als Unternehmen, die den Fokus eher auf andere Schwerpunkte legen (DeLoitte 2012). Fakt ist auch, dass wir uns nicht mehr allzu lange auf bezahlbare Handfertigungen als unlimitierte Ressource verlassen können. Es wird immer deutlicher, dass wir in der Zukunft auf eine maschinelle Fertigung setzen müssen.

Dies sollte aus zwei Gründen umgesetzt werden. Zum einen muss eine klare gemeinsame Marschroute für Designer und Hersteller festgelegt werden. Die Nutzung diverser Techniken kann so effektiver gestaltet werden. Die meisten Designer verfügen bereits über ein ausreichendes Produktionswissen – allerdings fokussieren sie sich zu stark auf das Design. Sie sind eher auf die Optik als auf effektivere und profitablere Produktionsmaßnahmen bedacht.
Ein Beispiel: Anstatt eine begrenzte Stückzahl mit traditionell-bedruckter Kleidung zu produzieren und so Kosten zu reduzieren und die Effizienz zu steigern, sollte man viel mehr auf die künstlerische Ader des Designers vertrauen, der den individuellen Geschmack der Kunden trifft. Kundenorientiert und nicht kostenorientiert ist die Devise. Das Resultat ist ein einzigartiges und vor allem auch marktfähiges Produkt.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum Designer in die Produktentwicklung miteinbezogen werden sollten. Sie bringen die Produktion mit frischem Wind und innovativen Ideen in Schwung. Dadurch können neue Produktionsmethoden in der Branche entdeckt und umgesetzt werden. Klar ist: Für Designer spielt die Optik eine ausschlaggebende Rolle - vielmehr steht für sie aber im Fokus, mit dem Endprodukt die Welt ein Stück besser zu machen.

Die Schuhproduktion ist hierfür ein gutes Beispiel. Bereits am Anfang von adidas „Primeknit“ war klar, dass wir mehrere Eigenschaften in einem Produkt verbinden werden. Es ist ein Hochleistungsprodukt, das eine Vielzahl von Funktionen beinhaltet, ebenso wie eine durch Handfertigung hervorgerufene Ästhetik und Nachhaltigkeit mit hoher Effizienz. Nimmt man das „Primeknit“ als Beispiel, so können wir auch neue Technologien wie z.B. Maschinenfertigung, maßgeschneiderte 3D Druckerei sowie weitere technische Hilfsmittel für künftige Produktionen verwenden.

Derzeit besteht keine Gefahr, dass die Nachfrage im Sportartikelmarkt abnimmt. Jedoch sollte man sich auch auf Veränderungen in der Industrie vorbereiten. Wir müssen enger und intensiver mit den Designern zusammenarbeiten, um unsere Produktionsmöglichkeiten zu maximieren und der Nachfrage gerecht zu werden. Wir müssen auch neue Gedanken und Ideen schaffen, die die Designer für die Produktion von morgen inspirieren.

Dieser Artikel wurde ursprünglich im 2015 WFSGI Magazine veröffentlicht.

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