Besser sein. Wie das Spiel des Lebens gelingen kann.

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Dies ist ein Auszug von einem Gastbeitrag von Dr. Alexandra Hildebrandt bei Nachhaltigkeit im Fußball. Im Fokus stehen die unterschiedliche Beurteilung guter Arbeit, die individuelle Bedeutung von Freundschaften und was diese Dinge mit Glück und Erfolg im Leben zu tun haben.

Auch wenn das Leben gewaltige Herausforderungen an uns stellen mag, so sollten wir uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen. Das ist die einfache Botschaft des Essays „Der Mythos von Sisyphos” von Albert Camus. Wer selbst Verantwortung übernimmt und nicht auf andere abwälzt, ist auch in der Lage, jenes gute und gelungene Leben führen, das in der Philosophie „glücklich” heißt.

Dazu gehört auch gute Arbeit, denn Menschen sind nach Aristoteles dann am glücklichsten, wenn sie ihre Fähigkeiten entfalten können. Sie ist ein Teil des Selbst und der eigenen Würde, ermöglicht Lernprozesse, enthält aber auch Elemente der Muße. Schlechte Arbeit hat dagegen mit andauerndem Druck zu tun und der absurden Vorstellung, dass nur Leistung bringt und geliebt wird, wer immer „dranbleibt”.

Damit verbunden ist die Empfindung des eigenen Ungenügens. Dazu finden sich u. a. Beispiele aus Sport und Politik – Bereichen, die besonders der öffentlichen und gesellschaftlichen Bewertung – ausgesetzt sind – in Katja Kraus’ aktuellem Buch „Freundschaft. Geschichten von Nähe und Distanz” (Fischer Verlag 2015). So sagt die Grünen-Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, dass es nun mal ihr Charakter sei, „immer zu glauben, zu wenig zu sein”. Auch als Freundin hat sie stets „das Gefühl, unzulänglich zu sein”.

Besonders lesenswert ist in diesem Zusammenhang auch das Kapitel über den in Leipzig geborenen Fußballtorwart René Adler: Zum einen, weil es eine innere Nähe zur Autorin Katja Kraus aufweist, die acht Jahre lang im Vorstand eines Bundesligisten war und in ihrer Karriere als Torfrau mehrfach deutsche Meisterin und mit der Nationalmannschaft Europa- und Vizeweltmeisterin war. Und andererseits, weil es zeigt, dass der ständige Vergleich mit anderen freundschaftliche Nähe fast unmöglich macht, auch wenn nicht auf der gleichen Position gespielt wird.

René Adler vertritt die These, dass für jene, die in der DDR aufgewachsen sind, Leistung eine „ganz spezielle Bedeutung” hat. Von klein auf wurde ihm vermittelt, dass er „arbeiten, arbeiten, arbeiten” müsse, um nach oben zu kommen. Ihn quälte immer das schlechte Gewissen, nicht alles für den Erfolg getan zu haben. Das ist für ihn eine „kranke Konditionierung”: „Ich bin wie viele Ost-Sportler extrem perfektionistisch, muss gebremst werden, weil ich mich immer weiter verbessern will.”

Torhüter sind im Vergleich zu den anderen Spielern besonders dem Stress ausgesetzt, weil sie für die Öffentlichkeit oft die Schuldigen sind. „Die normale deutsche Torwartgeschichte geht doch so: Sie kommen in ein Fußballinternat – bisschen Schule, viel Fußball und üben und üben. Möglich, dass sich auch Freundschaften ergeben, wahrscheinlicher ist allerdings, dass sie vom Mitspieler zunehmend als Bedrohung empfunden werden”, schreibt Frank Schröder, Direktor der Psychiatrie an der Uniklinik in Aachen in DIE ZEIT (29.1.2015).

Lesen hier weiter, dass menschliche Verbindungen nichts mit dem heutigen Networking zu tun haben, was es heißt Verantwortung für das Team zu übernehmen und dass Leidenschaft und Begeisterung oft den Unterschied zwischen Siegern und Verlierern ausmachen. 

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