Beckenbauer kommt wohl davon

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An der Universität Bayreuth, die Teil unseres Partnernetzwerks ist, wurde unter der Federführung von Prof. Peter W. Heermann der neue berufsbegleitende Masterstudiengang LL.M. Sportrecht an der Universität Bayreuth ins Leben gerufen. Warum es heutzutage nötig ist, einen solchen Masterstudiengang anzubieten, erklärte er in einem Interview mit der Lokalzeitung Nordbayerischer Kurier in der Ausgabe vom 30.11.2015. Darüber hinaus geht er auf die Vergabe zur FIFA WM 2006 ein und redet über den Kampf gegen Doping. Folgend lesen Sie eine Zusammenfassung seiner Aussagen.

Die Entwicklungen der letzten Wochen zeigen, dass man sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen des Sports auseinandersetzen muss. Ein Franz Beckenbauer, der Verträge unterschreibt, ohne auch nur ein Wort davon gelesen zu haben, stimmt sehr nachdenklich und stellt seine Rolle als Sportmanager mit Vorbildfunktion in Frage. Übertragen auf kleinere Fußballvereine, bei denen sich einer auf den anderen verlässt, könnte das bereits zu hohen Geldstrafen führen. Bekommt ein Fußballspieler zum Beispiel Aufwandsentschädigungen, die deutlich über die Fahrtkosten und die Kosten für Trikotreinigung hinausgehen, wird er quasi schwarz beschäftigt. Der Vorstand, der die Papiere blind vertrauend unterschrieben hat, kann in diesem Fall vor Gericht landen. Beckenbauer kann wahrscheinlich strafrechtlich nicht mehr belangt werden, wobei sich sowieso die Frage stellt, ob sein Handeln (versuchte Bestechung) zum damaligen Zeitpunkt überhaupt strafbar war.

Weiterhin führt Prof. Heermann in dem Artikel den Kampf gegen Doping an, insbesondere hinsichtlich des Ende November beschlossenen deutschen Anti-Doping Gesetzes. Hierin ist festgehalten, dass bereits der Besitz von Dopingmitteln strafbar sein wird, was viele Athleten skeptisch stimmt, da es somit schon genügt, wenn ein Dritter einem deutschen Athleten eine verbotene Substanz unterschiebt. Gegenüber anderen Ländern, die das Anti-Doping Gesetz nicht so eng sehen, wird – zumindest in Deutschland – jedoch kein Nachteil entstehen, da das Gesetz auch für internationale Athleten, die an einem Wettkampf in Deutschland teilnehmen, gilt. Inwieweit das Gesetz durch die in letzter Zeit unterfinanzierte NADA umgesetzt werden kann, ist abzuwarten. Zudem ist das Thema Doping sowieso allgemein ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Dopingermittler zumeist hinterherhinken. Aus medizinischer Sicht gibt es zum Beispiel bereits Dopingmittel, die abends eingenommen werden, früh nicht mehr nachweisbar sind, aber trotzdem eine mittel- bis langfristige Leistungssteigerung herbeiführen können. So etwas könnte nur durch nächtliche Kontrollen verhindert werden, allerdings würde dies einen weiteren erheblichen Einschnitt in die Persönlichkeitsrechte darstellen.

Warum es nun den Studiengang LL.M. Sportrecht (Universität Bayreuth) braucht, wird damit erklärt, dass der Sport (sinnvollerweise) sein eigenes, paralleles Rechtssystem aufgebaut hat. Nur dadurch ist es möglich, durch das Ein-Verband-Prinzip eine weltweit einheitliche Regelauslegung zu garantieren. So ist beispielsweise die SpVgg Bayreuth Mitglied des Bayerischen Fußballverbandes, der wiederum im Süddeutschen Fußballverband, dieser im Deutschen Fußball Bund, der bei der UEFA und diese bei der FIFA. Würden Regelverstöße durch staatliche Gerichte entschieden, könnte dies im schlimmsten Falle einige Jahre dauern. Diese Zeit hat der Sport aber zum Beispiel bei der Festlegung der Sperre nach einer Roten Karte nicht. Folglich ist das spezielle, parallele Sportgericht unausweichlich.

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