„Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu.“

Veröffentlicht: Montag, 4. Januar 2016

Ernst Holzmann

Diese frustrierte Erkenntnis von Fußball-Legende Jürgen - "Kobra" Wegmann ("Ich bin giftiger als die giftigste Schlange") kennen nicht nur Fußballer zu genüge.

Millionenfach werden jetzt wieder Glückwünsche ausgetauscht und Vorsätze für persönliche Veränderungen gefasst. Glück, ja, das wollen wir alle haben, aber jeder hat davon eine andere Vorstellung und vor allem darüber, wie man glücklich werden kann.

Um dieses Glück - auch "auf dem Platz" - zu finden, hilft leider keine Bedienungsanleitung und auch kein Patentrezept aus dem Kochbuch. Sich glücklich fühlen, bedeutet bei jedem etwas anderes und ständig glücklich sein zu wollen (oder müssen), kann auf die Dauer auch ganz schön anstrengend sein. Für sich selber, aber auch für die Menschen in der Umgebung. Auf Basis eigener Erfahrungen habe ich einfach mal versucht, dafür ein paar „Zutaten“ zu finden und dabei den Weg zum GLUECK wie folgt „übersetzt“:

G = Gelassenheit und Geduld 
Glück kann man nicht zwingen, manchmal geht "das Runde einfach nicht in das Eckige". Wenn man ständig versucht, ihm hinterherzulaufen, läuft es umso schneller davon. Und schon gar nicht sollte man sich mit anderen vergleichen und deren „Glueck“ kopieren wollen. Oft steckt dahinter nämlich mehr „Schein als Sein“, auch weil jeder Mensch sein eigenes „Päckchen“ zu tragen hat. Besser wäre es, herauszufinden, was einem persönlich im Leben wirklich wichtig ist, was man erreichen möchte und geduldig und gelassen seinen eigenen Weg gehen.

L = Leben, Lieben, Lachen 
Ein kluger Mönch hat mal gesagt „Ich glaube zwar an ein Leben nach dem Tod, aber ob es tatsächlich existiert, weiss ich nicht. Aber ich bin Hundertprozentig sicher, dass es ein Leben vor dem Tod gibt!“ Was hindert uns also daran, das Beste aus diesem Leben zu machen, mit Optimismus, Wissbegier, viel Liebe und viel Lachen. Freude in den kleinen Dingen des Lebens zu erfahren und uns mit Menschen zu umgeben, die wir lieben und die uns einfach nehmen, so wie wir sind. Und wem das große Glück zu teil wird, die Liebe seines Lebens gefunden zu haben - einen Menschen, der einem nicht nur verliebt in die Augen blickt, sondern mit einem in die gleiche Richtung - für den relativieren sich alle anderen Sorgen und Probleme sehr schnell.

U = Ueben, Ueben und nochmals Ueben 
Bernhard Langer, Deutschlands bester Golf-Profi, wurde nach seiner erfolgreichsten Saison mal von einem Reporter mit der Aussage konfrontiert, „dass er bei vielen Schlägen schon eine große Portion Glück hatte“. Langer antwortete schlagfertig: „Stimmt, Sie haben recht. Aber ich habe das Gefühl, dass ich umso mehr Glueck habe, je mehr ich uebe.“ Auch wenn man Glueck nicht zwingen kann, das Sprichwort, „dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist“, gilt nicht nur im Sport. Talent kann helfen, aber am Schluss schlägt die Motivation die Qualifikation. Oder wie Felix („Quälix“) Magath sagen würde: „Qualität kommt nun mal von Quälen“, egal, ob „auf dem Platz“, oder im Büro.

E = Erfüllende Aufgabe und Einkommen 
Geld macht zwar nicht glücklich, beruhigt aber ungemein. Es gibt Sicherheit, ist Belohnung für erbrachten Einsatz und kann ein sorgenfreies Leben ermöglichen. Wer aber meint, nur mit einem dicken Bankkonto glücklich sein zu können, vergeudet oft seine kostbarste Ressource – Zeit – mit dem Hinterherjagen nach materiellen, flüchtigen Werten und meint vielleicht sogar am Schluss, Glück - vielleicht auch Titel? - seien käuflich. Richtig glücklich sind eher diejenigen, die für sich selber eine erfüllende Aufgabe gefunden haben, bei der sie sich voll entfalten können und Selbstbestätigung sowie Anerkennung bekommen. Und sei es nur nach einem 3:2 Sieg (noch 0:2 in der Halbzeit) das gemeinsame Feiern mit seinen Kreisliga-Kumpels mit einem zischenden "Bierchen" (natürlich Alkoholfrei....).

C = Chancen ergreifen 
Ich habe schon viele Menschen getroffen, die über vergebene Chancen gejammert haben (nicht nur als Mittelstürmer) und aus ihrem Leben gerne etwas anderes gemacht hätten. Fragt man sie aber, warum sie seit zig-Jahren am gleichen Fleck und in der gleichen Situation (Beruf, Partner,…) leben, bekommt man oft nur ratloses Schulterzucken. Ja, Mut gehört zu Veränderungen schon dazu, auch weil diese immer gewisse Risiken in sich bergen. Aber, „wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, und lieber viele Dinge ausprobieren (dabei auch mal scheitern), als dann am Schluss seines Lebens den verpassten Chancen hinterher trauern. Manchmal wartet das Glück tatsächlich „um die Ecke“, man muss sich nur trauen, auch mal unbekannte Wege zu gehen und ähnlich wie "Katsche" Schwarzenbeck mal seinen „Strafraum“ zu verlassen und mit einem Tor der eigenen Mannschaft ein Wiederholungsspiel (1974 Europapokal-Endspiel gegen Atletico Madrid) zu ermöglichen.

K = Konstitution 
Das mit dem gesunden Körper und dem Geist kennen Sie ja. Und dass man sich Gesundheit nur bis zu einem gewissen Grad kaufen kann, bestimmt auch. Jetzt ist ja nicht jeder ein „Winston Churchill“, dem das Zitat „No Sports“ zugeschrieben wird und der als passionierter Zigarrenraucher (auch dem Whisky nicht abgeneigt) in guter Gesundheit 91 Jahre alt wurde. Aber vielleicht ist das ja gerade das Geheimnis für ein glückliches Leben. In Maßen die guten Dinge geniessen, sich nicht bis zum Exzess kasteien, aber trotzdem auf seinen Körper achten. Und es gibt genügend Beispiele von Menschen (Mehmet Scholl, Heinz Flohe, Grabowski, Overath, Netzer, ....), die zwar körperlich nicht die stärksten, aber trotzdem auf ihre eigene Art genial waren.

Damit schliesst sich wieder der Kreis zum Anfang meiner „Übersetzung“. Vielleicht ist Gelassenheit tatsächlich der Ausgangspunkt und das Ergebnis von GLUECK. Warten sie nicht darauf, dass sie von anderen glücklich gemacht werden. Versuchen sie aber auch nicht, krampfhaft und ständig andere glücklich zu machen, auch wenn oft „Geben seliger als Nehmen“ ist (nicht nur im Fußball und besonders beim Boxen....).

Finden sie heraus, was ihnen Freude bereitet, betrachten sie jeden Tag als Geschenk Gottes und probieren sie einfach mal, meine „Buchstaben“ von GLUECK in Einklang zu bringen. Und vielleicht können Sie einmal so wie Roland Wohlfarth schwärmen: "Zwei Chancen, ein Tor. Das nenne ich Hundertprozentige Chancenauswertung..."

Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall ein gutes und glückliches neues Jahr! 
(Und vielleicht gewinnen wir ja mit ein bisschen Glueck mal wieder die Europameisterschaft, nach zwanzig Jahren wärs mal wieder an der Zeit....)

Potsdam, 29.12.2015: Dies ist ein Gastbeitrag vom Manager, Redner & Fußballfachmann Ernst Holzmann. Wollen Sie mehr von Ernst Holzmann erfahren oder lesen, dann klicken Sie hier.

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