Die Kunst des Marketings

Veröffentlicht: Mittwoch, 15. November 2017

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GCDW Herrsching. Mit witziger Selbstinszenierung und umfassendem Marketing zieht der Volleyball-Bundesligist Dutzende Sponsoren an und Budget in drei Jahren verdoppelt. 

Haben Sie schon einmal Volleyballer in Lederhosen spielen sehen? Nun, in Herrsching können Sie es. Seit Mitte der Nullerjahre tritt der lokale Volleyballverein unter dem Namen "Geilster Club der Welt" auf, anfangs nur aus Spaß, der Verein spielte damals schließlich noch in der Landesliga. 

Doch dann wurde die Sache ernst. Herrsching stieg in die Bundesliga auf und den Spaßnamen ließ sich das Führungstrio als Marke für ganz Europa schützen. Seither haben Trainer Max Hauser, Manager Fritz Frömming und Marketingchef André Bugl den Verein immer offensiver als GCDW Herrsching vermarktet. "Glücklicherweise hatte sich unser Webmaster schon frühzeitig die Domain geilsterclubderwelt.de gesichert", erläutert Bugl. 

Als Oberbayern nutzen die Volleyballer zudem vorhandene Klischees, traten nach dem Bundesliga-Aufstieg 2014 in einem Lederhosen-Trikot auf und schufen sich damit auf Anhieb ein Markenzeichen. Dass es natürlich keine echten Krachledernen sind, in denen die Herrschinger spielen, sondern dank Sublimationsdruck nur so aussehen – wie im Übrigen auch die Hosenträger oder die bayerisch karierten T-Shirts – trägt zum Coolness-Faktor wahrscheinlich sogar noch bei. 

Bugl, der sich inzwischen mit 30 Prozent in den Verein eingekauft hat, früher Sportmanagement studiert hat und heute auch freiberulich Unternehmen in digitalstrategischen Fragen berät, ist mit der anfangs von vielen, auch im Ort, belächelten Marketing- Strategie ganz bewusst auf Konfrontationskurs gegangen: "Wir haben uns von dem altbackenen Image eines Turn- und Sportvereins distanzieren wollen. Wir wollen als cooler, moderner wahrgenommen werden." 

Nachdem Bugl Corporate Design und Logo des Vereins auf die Bezeichnung „geilster Club der Welt“ getrimmt hat, taucht dieser Begriff und die Abkürzung "GCDW" heute in allen Außendarstellungen auf. Nur in der Tabelle muss aus lizenrechtlichen Gründen noch der alte Name TSV Herrsching verwendet werden. 

Das neue Image macht sich bezahlt: "Wir haben ein stetiges Wachstum bei Sponsoren", sagt Bugl. Denen liefert der Verein nicht nur die Reichweiten von sportdeutschland. tv, wo die Partien der Volleyball-Bundesliga live übertragen werden – und für geringe Abrufzahlen sorgen – sondern auch eigenen Content, den der GCDW sehr aktiv über seine Kanäle verbreitet. "Wir produzieren bei jedem Spiel mit drei bis vier Kameras", sagt Bugl. 

B2B-Sponsoren wie der im nahen Seefeld ansässige Elektronikdienstleister TQ Systems oder der Kühltechnik-Anbieter Cabero aus Grafrath nördlich vom Ammersee, aber auch die Milch-Marke Andechser Natur kaufen nicht nur mediale Präsenz ein, versichert Bugl, sondern vor allem einen "360°-Ansatz als Marketing-Dienstleister". Bei den Vertragsgesprächen werden einzelne Services wie die Unterstützung beim Produktlaunch durch Präsentation bei Heimspielen stets mitdiskutiert. Durchgeführt wurden auch schon Workshops mit dem Trainer zu den Themen Führung und Teamarbeit. 

Mehr als drei Dutzend Firmen aus der boomenden Region rund um den Ammersee hat Bugl im Sponsoren-Pool des Vereins versammelt, zehn davon zählen zu den Top-Förderern. Der Verein arbeitet inzwischen auf Proi-Basis, das war nicht immer so, aber heute können 9 von 12 Spielern von ihrem Sport leben. 

Das Budget bewegt sich Richtung 600.000 Euro – eine glatte Verdoppelung gegenüber dem Aufstiegsetat vor drei Jahren – und soll mittelfristig 800.000 Euro erreichen. 300.000 Euro davon tragen die Sponsoren, der Rest kommt über Zuschauereinnahmen und Merchandising herein.

Den originalen Artikel finden Sie in der ausgabe von Sponsor News. Sponsor news ist das richtungsweisende Fachblatt für Sponsoring im deutschsprachigen Raum und erscheint seit Februar 1992 monatlich.


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